Skip to content
E-mail symbol

Einblicke in den Umgang mit sozialen Netzwerken etc.

E-Mail der Schulleiterin, Silke Müller, an den Deutschen Ethikrat.

Von: Silke Müller 
Gesendet: Dienstag, 15. September 2020 13:37
An: ‚kontakt@ethikrat.org‘
Betreff: Einblicke in den Umgang mit sozialen Netzwerken etc.
Wichtigkeit: Hoch

 

Sehr geehrte Mitglieder des Ethikrates!

 

Als Schulleiterin einer großen Sekundar-I-Schule (Oberschule) im niedersächsischen Landkreis Oldenburg wende ich mich mit einem Thema an Sie, das uns in der schulischen Arbeit seit langer Zeit sehr umtreibt und die gesamte Welt der Heranwachsenden betrifft und leider auch die vieler Erwachsenen.

 

Es geht um  den Umgang miteinander im Netz, in sozialen Netzwerken und der Verbreitung fürchterlichstem Materials, was mit Sicherheit die Psyche eines heranwachsenden Menschen beeinflussen muss. Hierzu übersende ich Ihnen den Inhalt einer Mail von mir an die Landesschulbehörde.

Auch wenn es keine wirklichen Lösungen für die Problematik, keine Antwort auf Fragen nach Handlungsmöglichkeiten gibt und auch wenn Prävention zwar durchgeführt wird, nicht aber zu Veränderungen beiträgt, so ist es meines Erachtens immer der erste Schritt, offen über Sachverhalte zu reden, um sie sichtbar zu machen und um die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Handelns zu erkennen.

 

Aus meiner Mail:

 

„…Sicherlich erinnern sie sich an die Übersendung unserer Unterlagen zum Medien-Elternabend an der Waldschule, im Zuge dessen wir versucht haben, Eltern und Erziehungsberechtigten darzustellen, auf welchen Wegen sich die Kinder im Netz bewegen und welche Medien sie konsumieren: Radikale Videos, gewaltverherrlichende Videospiele, rechtsradikale Sticker, Pornographie…all das bestimmt die Datenströme und die Kommunikation in sozialen Netzwerken und füllt die Speicher der Smartphones.

Da wir bereits seit über zehn Jahren in der intensiven Medienkompetenzbildung und der digitalen Schulentwicklung tätig sind und hierauf auch ein Profil unserer Schule liegt, meinen wir beurteilen zu können, dass sich das für uns unverständliche Verhalten im Netz größtenteils am Nachmittag und vor allem auf den Smartphones der Kinder abspielt. Wir kommen immer mehr zu dem Schluss, dass wir trotz aller digitalen Aus- und Weiterbildung, der Arbeit an diversen Schulentwicklungsthemen und natürlich auch intensiver, analoger Arbeit in Fachbereichen und an Kulturtechniken, derzeit an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler vorbei arbeiten. Möglicherweise schaffen wir es, sie hinsichtlich der Vermittlung von IT-Kompetenzen und in Blick auf die Ansprüche diverser Berufsfelder fit zu machen und möglicherweise gelingt es uns ebenso, ein ausreichendes Maß an Allgemeinbildung zu vermitteln.

Dabei verlieren wir aber zunehmend aus dem Blick, dass sich die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler durch die zunehmende Digitalität unserer Gesellschaft und dem meist unbeschränkten Zugang zum Netz mindestens in den letzten zehn Jahren radikal geändert hat und nicht mehr vergleichbar ist mit normaler Jugendentwicklung vor dieser Zeit. Werte und Normen, Toleranz und Respekt verliert in der parallelen Netzwelt, in der Kinder sich größtenteils in ihrem Alltag aufhalten, scheinbar komplett an Bedeutung. Mir macht das große Sorge.

 

Gehen wir von einem gesamtgesellschaftlichen Problem der Anonymisierung, Radikalisierung und Verrohung im Netz aus, so spüren wir nahezu täglich die Auswüchse, die die  Jugendwelt längst erreicht hat. Unsere geschilderten Fälle des letzten Schuljahres (kinderpornographische Sticker, Vergewaltigungsszenen im Spiel GTA 5, etc.) liegen Ihnen –von uns seinerzeit übersandt- vor.

 

In Bezug auf die durch Schüler ermöglichte Kenntnisnahme dieser Vorgänge sind wir sehr dankbar, dass zumindest unsere Arbeit im Bereich Vertrauensaufbau bei den Jugendlichen zu wirken scheint, denn immer mehr Kinder kommen nunmehr eigenständig auf uns zu und schildern, was sie über soziale Netzwerke geschickt bekommen, welche Videos sie sehen und welche Seiten nahezu unbeschränkt zugänglich sind. Dieser Vertrauensbeweis der Kinder ist derzeit kaum mit Gold aufzuwiegen, stellt uns allerdings vor eine nicht lösbare Herausforderung, da wir in Kenntnis dessen sind, was außerhalb der Schule und im Leben der Kinder täglich vermutlich minütlich vor sich geht. Allein in den letzten sieben Tagen kamen Schülerinnen und Schüler auf uns zu, um uns folgende Fälle zu melden:

 

  1. Im Schulbus verschickten sich Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Schulen via Air Drop ein Video, dass die Folter eines Mannes, der mit einem Gürtel auf einer Liege festgebunden ist, zeigt. Man kann in diesem Video glasklar erkennen, wie der Mann auf bestialische Art und Weise kastriert wird. Dieses Video dauert über 3 Minuten.
  2. In WhatsApp-Gruppen werden Schüler aufgefordert, bei Google die Kombination „Hoodsite 2 Facebook live“ einzugeben und sich die Videos dort anzuschauen. Die Vorwarnung des Schülers oder besser die Versprechen, es handele sich hierbei nicht um Sexuelles, zeigt die augenscheinliche Verrohung der Jugendlichen, denn man wird automatisch auf eine Seite geleitet, in der Suizid-Vorgänge dargestellt werden. Für das, was man auf dieser Seite findet, fehlen mir die Worte.
  3. Ein weiterer Schüler kommt um uns mitzuteilen, dass er wisse, wie man über eine verschlüsselte Suchmaschine ins Darknet gelangt (Duckduck.go, Suchmaschine, zu öffnen über verschlüsselten VPN-Browser, verschlüsselt weiter, darüber lässt sich dann hiddenwiki.org aufrufen, führt direkt ins Darknet).
  4. Bei TikTok gibt es z.B. den Trend „Opferporn“, bei dem sich Jugendliche als Holocaustopfer verkleiden und inszeniere, insgesamt ist das Thema Trend (Einnahme von Halluzinogenen, Magersuchtchallenge, etc.)

 

Der Erfolg eines Vertrauensaufbaus ist gleichzeitig verbunden mit einem für uns fassungslosen Blick in in Abgründe, die wir zwar so erahnen aber nun auch immer mehr bildlich vor Augen bekommen. Ich möchte mir nicht ausmalen, was das für die Psyche eines Grund- oder jungen Sekundarschülers bedeutet, der erstmals mit diesen bestialischen Bildern ungefragt in Berührung kommt.

 

Sicher kann man mit der menschlichen Faszination des Grauens argumentieren und konstatieren, dass es ein solches Verhalten und ähnliche Seiten im Netz bereits lange gibt und gab. Allerdings hat sich der Zugang zu Seiten sowie die Art dieses Zuganges komplett verändert. Während man früher aktiv für sich entschied, solche Seiten anzuschauen, so sind nunmehr nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern sicher auch viele Erwachsene sozusagen Opfer durch das passive Empfangen derartiger Videos und Bilder. Es sei nur am Rande darauf hingewiesen, dass wir ebenso überfordert und allein mit dem Konsummieren dieser uns dargestellten und übermittelten Bilder sind. Gleichzeitig halten wir es für unsere pädagogische Pflicht, diese Schreckensmomente zu erkennen und sie den Kindern durch ein Sichern der Dateien auf Dienstgeräten sprichwörtlich zu entlasten. Auch mit der Polizei sind wir hierzu dauerhaft im Austausch.

 

Nach jahrelanger Arbeit mit verschiedensten Präventionsmodulen, Informations- und Aufklärungsabenden, jeglicher Möglichkeit pädagogischer Erziehungsarbeit, toller Beziehungsarbeit aller Kolleginnen und Kollegen mit Ihren Schülerinnen und Schülern, müssen wir nunmehr feststellen, dass all das nicht mehr ausreicht. Die Waldschule ist mittlerweile bundesweit vernetzt und immer wieder hören wir davon, dass Lehrerinnen und Lehren aus verschiedenen Bundesländern gar nicht bewusst ist, was sich auf den Smartphones ihrer Schülerinnen und Schüler tatsächlich Grauenhaftes befindet. Viele Schulleiter rufen nach Hilfe und egal wo ich über digitale Ethik und eben jene Abgründe im Netz referiere, macht sich Sprach- und Fassungslosigkeit breit, gleichzeitig insbesondere aber auch bei Eltern eine gewisse Art von Dankbarkeit, dass sie diesen klaren Blick ermöglicht bekommen..

 

Die Arbeit an Gewissensbildung im Netz und der Aufbau einer digitalen Ethik muss dringend in den Mittelpunkt schulischer Bildung und Erziehungsarbeit rücken. Und ich möchte nochmals ausdrücklich wiederholen, dass wir zwar fantastische Präventionsarbeit im Land haben, diese aber scheinbar nicht mehr ausreichen, wie man sicher durch jene Eindrücke, die ich versucht habe hier komprimiert darzustellen, erkennt. Ich gehe sogar so weit, dass ich durch diese Radikalisierungstendenzen den Fortbestand unserer friedvollen, demokratischen Gesellschaft für die Zukunft stark gefährdet sehe. Wir erziehen die Kinder für die Zukunft, wir bilden sie aus für die Zukunft, deswegen müssen wir die Herausforderungen und Probleme eben jener digitalen Zukunft erkennen und verstehen.

 

Ich verbinde meine Schilderungen und diese Mail nicht mit einer Erwartung oder einer Bitte, halte es aber für absolut und zwingend notwendig, dass die Landesschulbehörde eben jenen vertiefenden Einblick in die Welt der Kinder und Jugendlichen direkt von der sprichwörtlichen Basis erhält. Die Kinder ermöglichen uns derzeit einen schockierenden Einblick in ihre Welt, wie wir ihn wohl vorher kaum bekommen haben. Wir alle sollten das als große Chance, gleichzeitig aber auch als dringende Handlungsaufgabe verstehen.

 

Selbstverständlich können Sie diese Mail bei Bedarf weiterzuleiten.

 

Sollten Sie weitere Informationen oder Vorträge dazu benötigen, stehen wir Ihnen verständlich gerne und jederzeit zur Verfügung.“ (Ende der Mail)

 

 

 

Für Gespräche, Rückfragen, etc. stehe ich Ihnen natürlich jederzeit zur Verfügung.

Selbstverständlich können Sie diese Mail entsprechend verwenden, weiterleiten, etc.

Ich danke Ihnen für Ihre Zeit.

 

Herzliche Grüße aus der

 

 

Silke Müller, Oberschuldirektorin

Von: Silke Müller [mailto:mueller@waldschule-hatten.de]
Gesendet: Dienstag, 15. September 2020 13:37
An: ‚kontakt@ethikrat.org‘
Betreff: Einblicke in den Umgang mit sozielen Netzwerken etc.
Wichtigkeit: Hoch

 

Sehr geehrte Mitglieder des Ethikrates!

 

Als Schulleiterin einer großen Sekundar-I-Schule (Oberschule) im niedersächsischen Landkreis Oldenburg wende ich mich mit einem Thema an Sie, das uns in der schulischen Arbeit seit langer Zeit sehr umtreibt und die gesamte Welt der Heranwachsenden betrifft und leider auch die vieler Erwachsenen.

 

Es geht um  den Umgang miteinander im Netz, in sozialen Netzwerken und der Verbreitung fürchterlichstem Materials, was mit Sicherheit die Psyche eines heranwachsenden Menschen beeinflussen muss. Hierzu übersende ich Ihnen den Inhalt einer Mail von mir an die Landesschulbehörde.

Auch wenn es keine wirklichen Lösungen für die Problematik, keine Antwort auf Fragen nach Handlungsmöglichkeiten gibt und auch wenn Prävention zwar durchgeführt wird, nicht aber zu Veränderungen beiträgt, so ist es meines Erachtens immer der erste Schritt, offen über Sachverhalte zu reden, um sie sichtbar zu machen und um die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Handelns zu erkennen.

 

Aus meiner Mail:

 

„…Sicherlich erinnern sie sich an die Übersendung unserer Unterlagen zum Medien-Elternabend an der Waldschule, im Zuge dessen wir versucht haben, Eltern und Erziehungsberechtigten darzustellen, auf welchen Wegen sich die Kinder im Netz bewegen und welche Medien sie konsumieren: Radikale Videos, gewaltverherrlichende Videospiele, rechtsradikale Sticker, Pornographie…all das bestimmt die Datenströme und die Kommunikation in sozialen Netzwerken und füllt die Speicher der Smartphones.

Da wir bereits seit über zehn Jahren in der intensiven Medienkompetenzbildung und der digitalen Schulentwicklung tätig sind und hierauf auch ein Profil unserer Schule liegt, meinen wir beurteilen zu können, dass sich das für uns unverständliche Verhalten im Netz größtenteils am Nachmittag und vor allem auf den Smartphones der Kinder abspielt. Wir kommen immer mehr zu dem Schluss, dass wir trotz aller digitalen Aus- und Weiterbildung, der Arbeit an diversen Schulentwicklungsthemen und natürlich auch intensiver, analoger Arbeit in Fachbereichen und an Kulturtechniken, derzeit an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler vorbei arbeiten. Möglicherweise schaffen wir es, sie hinsichtlich der Vermittlung von IT-Kompetenzen und in Blick auf die Ansprüche diverser Berufsfelder fit zu machen und möglicherweise gelingt es uns ebenso, ein ausreichendes Maß an Allgemeinbildung zu vermitteln.

Dabei verlieren wir aber zunehmend aus dem Blick, dass sich die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler durch die zunehmende Digitalität unserer Gesellschaft und dem meist unbeschränkten Zugang zum Netz mindestens in den letzten zehn Jahren radikal geändert hat und nicht mehr vergleichbar ist mit normaler Jugendentwicklung vor dieser Zeit. Werte und Normen, Toleranz und Respekt verliert in der parallelen Netzwelt, in der Kinder sich größtenteils in ihrem Alltag aufhalten, scheinbar komplett an Bedeutung. Mir macht das große Sorge.

 

Gehen wir von einem gesamtgesellschaftlichen Problem der Anonymisierung, Radikalisierung und Verrohung im Netz aus, so spüren wir nahezu täglich die Auswüchse, die die  Jugendwelt längst erreicht hat. Unsere geschilderten Fälle des letzten Schuljahres (kinderpornographische Sticker, Vergewaltigungsszenen im Spiel GTA 5, etc.) liegen Ihnen –von uns seinerzeit übersandt- vor.

 

In Bezug auf die durch Schüler ermöglichte Kenntnisnahme dieser Vorgänge sind wir sehr dankbar, dass zumindest unsere Arbeit im Bereich Vertrauensaufbau bei den Jugendlichen zu wirken scheint, denn immer mehr Kinder kommen nunmehr eigenständig auf uns zu und schildern, was sie über soziale Netzwerke geschickt bekommen, welche Videos sie sehen und welche Seiten nahezu unbeschränkt zugänglich sind. Dieser Vertrauensbeweis der Kinder ist derzeit kaum mit Gold aufzuwiegen, stellt uns allerdings vor eine nicht lösbare Herausforderung, da wir in Kenntnis dessen sind, was außerhalb der Schule und im Leben der Kinder täglich vermutlich minütlich vor sich geht. Allein in den letzten sieben Tagen kamen Schülerinnen und Schüler auf uns zu, um uns folgende Fälle zu melden:

 

  1. Im Schulbus verschickten sich Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Schulen via Air Drop ein Video, dass die Folter eines Mannes, der mit einem Gürtel auf einer Liege festgebunden ist, zeigt. Man kann in diesem Video glasklar erkennen, wie der Mann auf bestialische Art und Weise kastriert wird. Dieses Video dauert über 3 Minuten.
  2. In WhatsApp-Gruppen werden Schüler aufgefordert, bei Google die Kombination „Hoodsite 2 Facebook live“ einzugeben und sich die Videos dort anzuschauen. Die Vorwarnung des Schülers oder besser die Versprechen, es handele sich hierbei nicht um Sexuelles, zeigt die augenscheinliche Verrohung der Jugendlichen, denn man wird automatisch auf eine Seite geleitet, in der Suizid-Vorgänge dargestellt werden. Für das, was man auf dieser Seite findet, fehlen mir die Worte.
  3. Ein weiterer Schüler kommt um uns mitzuteilen, dass er wisse, wie man über eine verschlüsselte Suchmaschine ins Darknet gelangt (Duckduck.go, Suchmaschine, zu öffnen über verschlüsselten VPN-Browser, verschlüsselt weiter, darüber lässt sich dann hiddenwiki.org aufrufen, führt direkt ins Darknet).
  4. Bei TikTok gibt es z.B. den Trend „Opferporn“, bei dem sich Jugendliche als Holocaustopfer verkleiden und inszeniere, insgesamt ist das Thema Trend (Einnahme von Halluzinogenen, Magersuchtchallenge, etc.)

 

Der Erfolg eines Vertrauensaufbaus ist gleichzeitig verbunden mit einem für uns fassungslosen Blick in in Abgründe, die wir zwar so erahnen aber nun auch immer mehr bildlich vor Augen bekommen. Ich möchte mir nicht ausmalen, was das für die Psyche eines Grund- oder jungen Sekundarschülers bedeutet, der erstmals mit diesen bestialischen Bildern ungefragt in Berührung kommt.

 

Sicher kann man mit der menschlichen Faszination des Grauens argumentieren und konstatieren, dass es ein solches Verhalten und ähnliche Seiten im Netz bereits lange gibt und gab. Allerdings hat sich der Zugang zu Seiten sowie die Art dieses Zuganges komplett verändert. Während man früher aktiv für sich entschied, solche Seiten anzuschauen, so sind nunmehr nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern sicher auch viele Erwachsene sozusagen Opfer durch das passive Empfangen derartiger Videos und Bilder. Es sei nur am Rande darauf hingewiesen, dass wir ebenso überfordert und allein mit dem Konsummieren dieser uns dargestellten und übermittelten Bilder sind. Gleichzeitig halten wir es für unsere pädagogische Pflicht, diese Schreckensmomente zu erkennen und sie den Kindern durch ein Sichern der Dateien auf Dienstgeräten sprichwörtlich zu entlasten. Auch mit der Polizei sind wir hierzu dauerhaft im Austausch.

 

Nach jahrelanger Arbeit mit verschiedensten Präventionsmodulen, Informations- und Aufklärungsabenden, jeglicher Möglichkeit pädagogischer Erziehungsarbeit, toller Beziehungsarbeit aller Kolleginnen und Kollegen mit Ihren Schülerinnen und Schülern, müssen wir nunmehr feststellen, dass all das nicht mehr ausreicht. Die Waldschule ist mittlerweile bundesweit vernetzt und immer wieder hören wir davon, dass Lehrerinnen und Lehren aus verschiedenen Bundesländern gar nicht bewusst ist, was sich auf den Smartphones ihrer Schülerinnen und Schüler tatsächlich Grauenhaftes befindet. Viele Schulleiter rufen nach Hilfe und egal wo ich über digitale Ethik und eben jene Abgründe im Netz referiere, macht sich Sprach- und Fassungslosigkeit breit, gleichzeitig insbesondere aber auch bei Eltern eine gewisse Art von Dankbarkeit, dass sie diesen klaren Blick ermöglicht bekommen..

 

Die Arbeit an Gewissensbildung im Netz und der Aufbau einer digitalen Ethik muss dringend in den Mittelpunkt schulischer Bildung und Erziehungsarbeit rücken. Und ich möchte nochmals ausdrücklich wiederholen, dass wir zwar fantastische Präventionsarbeit im Land haben, diese aber scheinbar nicht mehr ausreichen, wie man sicher durch jene Eindrücke, die ich versucht habe hier komprimiert darzustellen, erkennt. Ich gehe sogar so weit, dass ich durch diese Radikalisierungstendenzen den Fortbestand unserer friedvollen, demokratischen Gesellschaft für die Zukunft stark gefährdet sehe. Wir erziehen die Kinder für die Zukunft, wir bilden sie aus für die Zukunft, deswegen müssen wir die Herausforderungen und Probleme eben jener digitalen Zukunft erkennen und verstehen.

 

Ich verbinde meine Schilderungen und diese Mail nicht mit einer Erwartung oder einer Bitte, halte es aber für absolut und zwingend notwendig, dass die Landesschulbehörde eben jenen vertiefenden Einblick in die Welt der Kinder und Jugendlichen direkt von der sprichwörtlichen Basis erhält. Die Kinder ermöglichen uns derzeit einen schockierenden Einblick in ihre Welt, wie wir ihn wohl vorher kaum bekommen haben. Wir alle sollten das als große Chance, gleichzeitig aber auch als dringende Handlungsaufgabe verstehen.

 

Selbstverständlich können Sie diese Mail bei Bedarf weiterzuleiten.

 

Sollten Sie weitere Informationen oder Vorträge dazu benötigen, stehen wir Ihnen verständlich gerne und jederzeit zur Verfügung.“ (Ende der Mail)

 

 

 

Für Gespräche, Rückfragen, etc. stehe ich Ihnen natürlich jederzeit zur Verfügung.

Selbstverständlich können Sie diese Mail entsprechend verwenden, weiterleiten, etc.

Ich danke Ihnen für Ihre Zeit.

 

Herzliche Grüße aus der Waldschule Hatten

Silke Müller, Oberschuldirektorin