Werkstatt Zukunft – Klimawandel und Wald

Wir haben mit der WERKSTATT ZUKUNFT zum zweiten Mal ein brandaktuelles Thema zum Inhalt unserer Projektarbeit gemacht. Vor zwei Jahren haben uns mit der Ernährungssicherheit auf diesem Planeten beschäftigt.

Nachdem wir zwei Dürresommer erlebt haben und viele Bäume durch klimatische Veränderungen mittlerweile krank und geschwächt sind. 

Nachdem in Brasilien in diesem Sommer pro Tag eine Fläche von 766 Fußballfeldern durch Brände unwiederbringlich verloren gegangen ist und derzeit in Australien Busch- und Waldbrände auf einer Fläche von der Größe Baden-Württembergs und Bayerns wüten, wissen wir:

die Beschäftigung mit dem Thema KLIMAWANDEL und WALD ist besonders wichtig für uns. Aus diesem Grund haben wir uns in Kooperation mit WERKSTATT ZUKUNFT projektorientiert mit folgenden Fragen beschäftigt und eine Sendung produziert, die im Lokalsender Oldenburg 1 ausgestrahlt wurde und derzeit auf dem YOUTUBE-Kanal von WERKSTATT ZUKUNFT angeschaut werden kann: 

Welche Bedeutung haben die Wälder für uns? Warum ist der Wald bedroht? Welche Folgen hat das Waldsterben für uns? Und was können wir gegen das Waldsterben unternehmen? 

Werkstatt Zukunft 23

Herausforderung – der Jahrgang 8 präsentiert seine Ergebnisse

Welche Ziele verfolgen wir mit dem Projekt Herausforderung?

Wir beklagen bei unseren Schülern oft die Passivität, die Lethargie, die Konsumorientierung. Wir beklagen die fast schon pathologische Berieselungsapathie. Wir beklagen die damit verbundene nur rudimentär entwickelte Aktivität und die mangelnde Kreativität. Gerade die Jugendlichen des 8. Jahrgangs – zum Teil Mitten in der Pubertät – haben ganz andere Interessen und lassen sich für unterrichtliche Inhalte nur schwer motivieren. Dabei steckt so viel Potential in unseren Schülerinnen und Schülern. Das erleben wir gerade aktuell an Hunderttausenden von jungen Menschen, die für ihre Rechte und für politische Ideale wieder auf die Straße gehen und demonstrieren. Dass unsere Jugendlichen produktiv aktiv sein können und ihre Zukunft konstruktiv gestalten möchten, wollen wir mit dem Projekt „Herausforderung“ demonstrieren. Statt passiver Aufnahme in einer Umwelt, die durch Non-Stop-Entertainment geprägt ist, möchten wir einen Raum schaffen, in dem die kreative Gestaltung von Prozessen durch Übernahme von Verantwortung bei der Verwirklichung von Projekten und damit ein Erleben von Selbstwirksamkeit ermöglicht wird. Ziele setzen, aus Zielen Projekte erschaffen, Maßnahmen planen, Maßnahmen umsetzen, Erfahrungen sammeln, Erfahrungen reflektieren, Ziele und Maßnahmen anpassen und damit- Projekte erfolgreich beenden. Das soll im Rahmen des Projekts Herausforderung erreicht werden. Projekte dürfen aber auch scheitern. Wichtig ist nur: Sie Schüler sollen reflektieren, weshalb ein Projekt gescheitert ist. Waren die Ziele zu hoch gesteckt oder waren die Maßnahmen nicht zielführend? Die Schüler sollen Erfahrungen machen von Selbstwirksamkeit. Sie sollen gestärkt werden in dem Gefühl, dass man etwas bewegen und bewirken kann. Sie sollen die Erfahrungen machen, dass das Erreichen von Zielen und damit das erfolgreiche Umsetzen von Projekten die Übernahme von Verantwortung voraussetzt, harte Arbeit bedeutet, auch mit Rückschlägen verbunden sein kann. Sie machen aber auch die Erfahrung, dass man Projektkompetenz durch die Praxis erlangen und mit dieser Kompetenz dann wirksam die Umgebung gestalten kann. Die erfahrende Selbstwirksamkeit ist ein Baustein in Richtung Handlungskompetenz, damit ein Schritt in Richtung Mündigkeit und damit ein gutes Fundament für unsere Zukunft. Das sind sehr große Ziele: es geht aber nicht darum, dass die Schüler das alles erreichen. Es geht darum, den Schülern einen Raum zu geben, um entsprechende Erfahrungen machen und entsprechende Kompetenzen aufbauen zu können. Wir als Lehrer fungieren ausschließlich als Berater und Begleiter. Die Verantwortung für das Gelingen – so schwer es vielleicht auch für uns ist – sollte primär bei den Schülern liegen.

Das Projekt „Herausforderung“ ist ein integraler Bestandteil unserer pädagogischen Arbeit im Jahrgang 8.

Die Schülerinnen und Schüler haben Projektideen entwickelt. Aus diesen Ideen wurden dann 10 bis 12 Projekte generiert, die die Schülerinnen und Schüler dann in Kleingruppen (maximal 15 Schülerinnen und Schüler) mit Leben gefüllt und selbst gesteckte Ziele verwirklicht haben. Themen wie das Bienensterben, der Klimawandel, die Plastikvermüllung auf den Weltmeeren und ein Bewusstsein für die Bedeutung unserer direkten Nachbarn – der Bäume – sind in der Waldschule angekommen. Sie prägen mehr denn je das Bewusstsein, und das Denken unserer Schülerinnen und Schüler. Und Denken bestimmt ja bekanntlich das Handeln.

Verantwortung übernehmen und die Zukunft nachhaltig gestalten heißt die Devise.

Aus diesem Bewusstsein heraus wurden bei den Achtklässlern im letzten Schuljahr folgende Projekte verwirklicht: „Nachhaltig unterwegs!“, „Upcycling – aus Alt mach Neu!“, „Ein Leben ohne Plastik: ist das möglich?“. Darüber hinaus hat eine Gruppe eine Blühwiese mit Wildblumen und damit ein insektenfreundliches Refugium geschaffen. Außerdem wurden auf dieser Fläche junge Bäume und Hecken gepflanzt. Darüber hinaus sind Jungbäume, die infolge der Parkplatzneugestaltung vor der Waldschule gefährdet waren, umgesiedelt worden. Da Bäume, Hecken und Blumen auf Sandboden schlecht gedeihen, hat die Gemeinde Hatten einige Tonnen Mutterboden als Grundlage gespendet und das Fuhrunternehmen Rolfes dankenswerter Weise den Transfer des wertvollen Substrats zur Waldschule übernommen. Die Schülerinnen und Schüler haben den Mutterboden verteilt und die Wiese angelegt bzw. die Neu- und Umpflanzungen vorgenommen.

Eine Projektgruppe hat eine Laufstrecke durch den Wald verwirklicht. Die Schüler haben Karten und Orientierungsschilder erstellt, damit kein Verlaufen beim Joggen und damit kräftezehrende Extrarunden mehr möglich sind. Diese Orientierungsschilder werden jetzt bei Laufveranstaltungen der Waldschule aufgestellt. Eine permanente Beschilderung war leider nicht möglich.

Es ging aber auch um soziales Miteinander. Grenzüberschreitend und generationsüberschreitend. Eine Schülergruppe hat versucht, ein Austauschprojekt mit einer ausländischen Schule ins Leben zu rufen und eine andere Gruppe  wollte in dem Projekt „Soziales Engagement: Jung trifft alt und alt trifft jung!“ die junge und reifere Generation einander näher bringen. Eine Projektgruppe mit dem Titel „Wir sind dann mal weg!“ hat möglichst kostenneutral eine Woche lang mit Zelt auf eigenen Füßen und streckenweise mit Kanus den Naturraum Hunte durchquert. Außerdem gab es die Herausforderungsgruppe Film. Das Team hat im Rahmen der Herausforderungswoche einen Spielfilm gedreht, der am 15. August 2019 auf der Begrüßungsfeier der neuen fünften Klassen Premiere gefeiert hat.

Der Architekt Jürgen Lönnecke, der seit einigen Jahren an der Waldschule die Literatur-AG und die Holzwerkstatt betreut, hat mit den Schülerinnen und Schülern eine Seifenkiste gebaut. Diese Seifenkiste soll in diesem Jahr beim Seifenkistenrennen in Dötlingen den Sieg einfahren.

Wer betreute die Projekte, wer finanzierte die Projekte? Wie war der konkrete Ablauf?

Die Herausforderungsprojekte wurden von insgesamt 20 Lehrerinnen und Lehrer der Waldschule betreut. Dabei fungierten die Pädagogen lediglich als Berater. Die Projekte federführend planen und durchführen sollten die Schülerinnen und Schüler. Sie sollten sich Ziele setzen und ein Konzept schreiben, sie sollten einen Finanzierungsplan und Materiallisten erstellen, sie sollten ein sogenanntes „Logbuch“ führen und sie sollten sich Gedanken machen, auf welche Weise das Projekt dokumentiert und die Ergebnisse präsentiert werden.

Die Finanzierung ist ein großes Thema.

Für Projekte solcher Art standen  der Schule keine finanziellen Mittel zur Verfügung. Deshalb hat der Förderverein der Waldschule Hatten das Projekt Herausforderung mit 400 Euro bezuschusst und auch die Gemeinde Hatten hat sächliche und finanzielle Unterstützung geleistet.

In der Woche vom  24. Juni bis  28. Juni 2019 fand die Herausforderungswoche statt und am Elternsprechtag im November 2019 sind den Schülerinnen und Schülern des jetzigen Jahrgangs 8 und den Eltern die Ergebnisse der Gruppen in der Mensa präsentiert worden (siehe Fotos).

Die Bunte Stunde im Dezember 2019

Die Bunte Stunde an der Waldschule Hatten in Sandkrug am 19. Dezember 2019 von 18 Uhr bis 20 Uhr in der Waldschulaula

Das war schon fast keine „Bunte Stunde“ mehr, das war ein „Bunter Abend“ mit vielen tollen Programmpunkten.

In diesem Jahr wurden zwei tolle Waldschulveranstaltungen zu einem Kunst- und Kulturereignis verschmolzen. Das Symposium „Musik und Worte“, auf dem unsere Schülerinnen und Schüler aus ihren selbst erstellen literarischen Werken vorlesen (die Schülerinnen und Schüler werden im Prozess des Schreibens und Schaffens von Jürgen Lönnecke im Rahmen einer AG betreut und beraten) und die herkömmliche „Bunte Stunde“ mit einem primär musikalischem und schauspielerischem Rahmenprogramm.

Stimmungsvoll eingeleitet wurde die Bunte Stunde von Schülerinnen und Schülern der Klasse 5b, die mit vielen brennenden Teelichtern – begleitet von Mozarts Klarinettenkonzert – in die Aula einmarschierten und die vielen leuchtenden Kerzen auf der Bühne abstellten.

Die Schülerinnen Emily Schwettmann, Jonna Koopmann und Monique Timp lasen jeweils ein Kapitel aus ihren literarischen Werken vor. Es ist beeindruckend, mit welch einer Kreativität, mit welch einem Wortreichtum und mit welch einem großen Gefühl für Sprache die drei Schülerinnen ihrer Phantasie Ausdruck verliehen und ihre Sicht auf die Welt so facettenreich darzustellen in der Lage waren.

Eingebettet wurde die Lesung durch zwei Jungpianistinnen (Julia Witte und Celina Kessler), die mit viel Gefühl Klassisches und Modernes zum Besten gaben.

Zum ersten Mal kam auch die Tenorflöte von Lotta Heinze zum Einsatz.

Auch die Schulband unter Leitung von Lüder Schulken überzeugte mit dem Song „Vermissen“ von Juju.

Die Theater-AG bzw. der Theater-Wahlpflichtkurs von Frau Rigas bediente in diesem Jahr das Genre Groteske. Wunderbare Sketche aus dem Themenfeld Märchen, überzeugend umgesetzt von John-Rouven Heinrich, Sophia Erdmann, Jette Waschka, Emily Schwettmann und Fee Martinez.

Darüber hinaus gab es wieder einen atemberaubenden akrobatischen Programmpunkt mit Mareile Menkens und Lilly Rummel.

Zum ersten Mal wurde das Abschlussweihnachtslied (Stille Nacht) in diesem Jahr mit Instrumenten begleitet: Lüder Schulken an der Gitarre und die Klassenlehrerin der Klasse 5e Anja Heyne an der Geige. Die Verschmelzung hat sich gelohnt.

Zwei tolle Veranstaltungen haben sich vereint. Eine kulturelle Veranstaltung, die die Emotionen berührt und zeigt, zu was unsere Waldschülerinnen und Waldschüler in der Lage sind.

Hauke Behrens