Bewerbung der Waldschule Hatten

für den Schulpreis der Dieter Schwarz Stiftung

Vorwort zur Bewerbung und inhaltlicher Überblick

Die Prozesse der gesellschaftlichen, globalen Digitalisierung beeinflussen zunehmend unser Handeln und Denken im Alltag. Nahezu kein Lebensbereich ist von der Digitalisierung ausgenommen. Folgt man der Auffassung von Frau Prof. Dr. Petra Grell, TU Darmstadt, so wird all das, was autonomisiert werden kann, zukünftig autonomisiert werden.

Auch der Bildungssektor ist daher dringend aufgefordert, sich auf den sprichwörtlichen Weg zu machen. Das bedeutet gleichzeitig, dass wir möglicherweise vor einer der größten Herausforderungen der Schulentwicklungsgeschichte stehen. Wir müssen uns nicht nur mit digitalen Lehr- und Lernprozessen beschäftigen, sondern uns Gedanken machen um die Qualifizierung von Lehrkräften, die bereits im Studium beginnen muss, bis hin zur Schülerqualifizierung. Die Heranwachsenden müssen am Ende ihrer Schulzeit nicht nur gelernt haben, mit digitalen Technologien umzugehen, sondern auch, sich rechtssicher im Netz zu bewegen.

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Bei uns an der Waldschule steht zudem eine weitere Dimension der Digitalisierung im Fokus unserer Arbeit. Natürlich müssen wir unsere Kinder fit machen, für die Herausforderung der Digitalisierung. IT-Kompetenzen sind dabei der Grundstock von allem. Allerdings müssen wir unseren Blick unbedingt auf ein Grundverständnis für Künstliche Intelligenz und  die Vermittlung einer digitalen Ethik wenden. Die Entwicklung künstlicher Intelligenz wird unsere Gesellschaft nachhaltig beeinflussen. Positiv, wie auch gefährdend. Wir alle wissen, dass intelligente Software mittlerweile bspw. bei Versicherungen eingesetzt wird, um erste Schadensbegutachtungen und Abfindungen automatisiert vornehmen zu lassen. 

Wir beobachten die Entwicklung rund um intelligente Pflegeroboter in asiatischen Ländern und nehmen Erschreckenderweise wahr, dass Algorithmen gar demokratische Wahlen beeinflussen können. Wir können uns nicht mehr sicher sein, ob auf der anderen Seite einer Kommunikation im Netz wirklich noch ein Mensch aus Fleisch und Blut sitzt oder wir mit KI kommunizieren.

 

Selbstverständlich bietet KI aber auch unglaubliche Fortschritte in der Entwicklung der Menschheit. So werten KI-Programme MRT-Bilder bei Krebspatienten aus, verhelfen zu neuer Lebensqualität bei körperlichen Behinderungen oder Einschränkungen und erleichtern viele alltägliche Prozesse.

Hinter der Entwicklung einer künstlichen Intelligenz steht letztlich aber immer noch die Gewissensentscheidung eines Menschen. Er entscheidet letztlich, wie intelligent Software wirklich werden darf. Nicht also künstliche Intelligenz und Algorithmen entscheiden über den friedvollen Fortbestand unserer Gesellschaft, sondern die Fähigkeit zur Gewissensbildung eines Menschen.

In der Schule nehmen wir leider zunehmend wahr, dass der Grad der Fähigkeit zu dieser Gewissensbildung erheblich sinkt. Eher noch kann man sagen, dass sie rapide sinkt. Dabei spielt der Umgang mit und in sozialen Netzwerken eine entscheidende Rolle. Nicht nur bei unseren Schülerinnen und Schülern, sondern möglicherweise gesamtgesellschaftlich lässt sich eine Entwicklung hin zu Anonymisierung, Radikalisierung und Verrohung erkennen. Die Schülerinnen und Schüler/wir verstecken uns hinter geschönten Profilen, gefiltert Bildern und einer Scheinwelt, immer unter dem Deckmantel des Anonymen.

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Der Wille zu einer echten Auseinandersetzung, zur Beschäftigung mit dem Gegenüber und damit auch zu Mitmenschlichkeit scheint immer mehr abzunehmen. Reflexiv denken und entscheiden, ob das sogenannte Wissen im Netz Fakenews oder echte Fakten sind, fällt immer schwerer.

Ganz sicher verändert sich Schule durch gesellschaftliche Einflüsse, eines aber trägt sich aber doch von den alten Griechen bis heute weiter: Schule hat den Auftrag nicht nur Wissen und Bildung zu vermitteln, Fähigkeiten und Fertigkeiten aufzubauen, sondern auch Werte, Normen weiterzugeben und die Kinder durch Vorbild lernen zu lassen. Daher konstatieren wir mittlerweile in der Waldschule, dass der Lehrer möglicherweise nicht nur die oft zitierte Rolle eines Lernbegleiters einnehmen sollte, sondern dass seine Funktion in der Klasse -und für viele Kinder ist Schule mittlerweile ein zweites Zuhause-wichtiger ist denn je. Lehrerinnen und Lehrer müssen Vorbild sein und Türen öffnen. Dabei ist es extrem wichtig, die Herausforderung unserer Zeit zu erkennen und sich selbst im Umgang damit zu professionalisieren, sie zu verinnerlichen, sich dazu zu positionieren und den Kindern anhand von Beispielen zu zeigen, was Gemeinschaft und ein friedvolles Miteinander bedeutet. Nur so-und mag es auch noch so pathetisch klingen-sichern wir in unseren Augen den friedvollen und vor allem demokratischen Fortbestand unserer Gesellschaft.

Zusammengefasst muss sich Schule also schnellstmöglich für eben jene Herausforderungen der Digitalisierung professionalisieren. Dabei ist es in unseren Augen wichtig, sich im System gegenseitig durch Netzwerkarbeit zu unterstützen, Ergebnisse und Erfahrungen zu teilen, von anderen und mit anderen zu lernen und für Hemmnisse und Widerstände Lösungen zu finden. Genau aus dieser Motivation heraus bewerben wir uns in diesem Jahr um den Schulpreis der Dieter-Schwarz-Stiftung.

 

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Da wir aber auch in unserer schulischen Arbeit der gesellschaftlichen Entwicklung Tribut zollen wollen, möchten wir auch mit der Form unserer Bewerbung zeigen, dass das Konzept der Digitalisierung nicht nur den Unterricht der Waldschule betrifft, sondern für uns ganzheitlich Einzug erhalten hat. So finden Sie auf dieser nach einreichen nicht mehr veränderten Seite (ein PDF dieser Seite hängt an)

  1. Projektbeispiele unserer Schülerinnen und Schüler, die unsere Schule in Form eines interaktiven Videos vorstellen, wie auch
  2. Statements von Kindern zum digitalen Lernen.
  3. Die drei abgefragten Dimensionen für die Bewertung der Medienkonzepte durch die Jury beantworten wir in einem Interview, um zu zeigen, dass wir verstanden haben, dass Lernen die auditive Seite und interaktive Seite immer mehr einbezieht (hier sei das Stichwort Lernen mit Tutorials genannt, das sicherlich kritisch begutachtet wird, Schülerinnen und Schüler aber eben nun einmal nachhaltig beeinflusst, wie auch viele Bürgerinnen und Bürger unserer Gesellschaft.)
  4. Selbstverständlich finden Sie auch unser Medienkonzept als PDF, das wir redaktionell verantwortlich von der Waldschule entwickelt haben. In die Entwicklung des Konzeptes haben wir sowohl Schulträger als auch die Grundschulen aktiv einbezogen, um zu zeigen, wie wichtig eben jener Netzwerkgedanke in der Entwicklungsarbeit für uns ist.
  5. Die strukturelle Übersicht unserer Arbeit  geben Ihnen einen zusammenfassenden Einblick in den IST-Stand unserer Arbeit.
  6. Eine große Säule unserer täglichen Arbeit ist die hausinterne Qualifizierung unserer Lehrkräfte, für die wir eigens zwei schulinterne Programme entwickelt haben. Einerseits möchten wir Sie kurz einführen in das Lehrerfortbildungskarussell, einer schulinternen Lehrerfortbildung in den Mittagspausen, in denen Lehrer anderen Kollegen in der Nutzung von Apps, wie auch der Gerätetechnologie oder in puncto Datenschutz geschult werden. Andererseits finden Sie unser SOFA (selbstorganisiertes Fortbildungsangebot), eine Lernplattform, die es unseren Kolleginnen und Kollegen ermöglicht, sich eigenständig von zu Hause aus fortzubilden.
  7. Ein kurzer Film mit Unterrichtsbeispielen soll unsere Bewerbung abrunden.
  8. In einem abschließenden Schlusswort möchten wir dann abschließend unsere Visionen der weiteren Schulentwicklung skizzieren.

Aus einem digitalen Projekt

Das ist die Waldschule Hatten

Dieses Video haben Schülerinnen und Schüler der Waldschule im Rahmen einer Projektarbeit erstellt.

Warum digitales Lernen?

Schülerinnen und Schüler der Waldschule nennen die Vorzüge des digitalen Lernens.

René fragt nach: Ein Interview zu den drei Dimensionen der Bewerbung

Und nochmal im schriftlichen Überblick

Das Medienkonzept der Waldschule Hatten

Erfahren Sie alles über das Medienkonzept der Waldschule Hatten im folgenden PDF.

Strukturelle Darstellung des zeitgemäßen Lernens an der Waldschule

Schulinterne Lehrerfortbildung an der Waldschule an zwei Beispielen

1. SOFA - Selbstorganisiertes Fortbildungsangebot

Einsatz eines Learning-Managment-Systems, gepaart mit einem Wiki zum Zweck der zeit- und ortsungebunden Weiterbildung.

Webinare und Selflearning-Tools ermöglichen oftmals ein individuelles Lernen im eigenen Tempo und vor allem nach eigenen Neigungen und Interessensschwerpunkten. Ergänzend zu unseren „Peer to Peer“ Fortbildungen haben wir dazu die Plattform SOFA entwickelt. Hier finden die Lehrkräfte ein Wiki zu verschiedenen Apps, deren Einsatzmöglichkeiten und Bedienung über Tutorials und Kurzzusammenfassungen. Das Wiki wurde von den sog. „App-Paten“, also Kollegen mit hoher Expertise, für das Kollegium erstellt. Außerdem findet man auf der Plattform ein Kursmodul, in dem Erklärvideos (Knöpfchenkunde, Klassenraumtechnik, etc.) eingestellt werden. Am Ende einer jeden Einheit kann ein Quiz absolviert werden, bei dem man seine erworbenen Kenntnisse testen und festigen kann.

Screenshots aus dem SOFA-Portal

Beispiele für Erklärvideos

2. Das Fortbildungskarussell

Peer to Peer Learning an der Waldschule

Zunächst muss deutlich darauf hingewiesen werden, dass die Expertise zum digitalen Lehren und Lernen fast ausschließlich bei den Praktikern in den Schulen/Bildungseinrichtungen liegt. Das bedeutet, dass „Peer to Peer“ eine der wichtigsten Fortbildungsformen ist. An der Waldschule Hatten treffen sich in diesem Sinne in der Mittagspause Lehrkräfte zu kurzen Fortbildungs-Slots à 30 Minuten. Erklärt werden in Form eines kleinen Workshops verschiedene Themen rund um App-Nutzung, Datenschutz, Technik, digitale Mappenführung, etc. Ein Lehrer fungiert dabei als Inputgeber. Auch Schülerinnen und Schüler werden teilweise zur Schulung der Lehrkräfte hinzugezogen. Die Kolleginnen und Kollegen der Grundschulen sind herzlich eingeladen, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen.

Praktische Unterrichtsbeispiele

Zeitgemäßes Arbeiten an der Waldschule

Ein Einblick zum Einsatz digitaler Medien im Schulalltag.

Ausblick und Visionen

Die Digitalisierung bringt große Veränderungen in der Gesellschaft mit sich. Schulen haben den Auftrag, Kinder und Jugendliche auf die Herausforderungen und Anforderungen der Lebens- und Berufswelt vorzubereiten und ihnen durch die Vermittlung von Fähig- und Fertigkeiten, aber auch von tradierten, gesellschaftlichen Werten und Normen Türen in eine erfolgreiche Zukunft zu öffnen.

Die Waldschule beschreitet diesen Weg seit nunmehr 10 Jahren. Dabei wurde vieles ausprobiert, einiges verworfen, anderes ritualisiert und schulprogrammatisch professionalisiert. Blickt man auf diesem Weg nun weiter in Richtung Horizont, respektive Zukunft, soll insbesondere der Bereich der Vermittlung einer digitalen Ethik nachhaltig und manifest gestaltet werden. Dazu müssen wir einerseits die Nutzung digitaler Medien weiter im Unterricht verankern. Andererseits gilt es finanziell verlässliche Haushaltsstellen zu schaffen, um das Fundament der digitalen Arbeit, also die Infrastruktur, solide zu pflegen, zu administrieren und zu erneuern.

Außerdem halten wir an der Vision fest, dass es seitens der Politik und zuständigen Ministerien endlich ermöglicht wird, uns in der Netzwerkarbeit bundesweit zu professionalisieren, um gemeinsam Strategien zu entwickeln, um JEDER Schule einen schnellen und unkomplizierten Handlungsempfehlung zum Start in das zeitgemäße Lernen an die Hand zu geben.

An der Waldschule werden wir die Visionen von VR und Augmented Reality immer mehr zur Realität werden lassen.

„Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“

Aristoteles

Die Waldschulfamilie hat die bestehenden Segel gehisst und näht fleißig an weiteren. Für den gemeinsamen Erfolg. Für die Zukunft. Vor allem aber für die Kinder-unsere Zukunft.