Was kann ich tun, wenn jemand rassistisch beleidigt wird? Wie fühlt es sich an, in einer fremden Umgebung die Regeln nicht zu kennen? Und was würde ich mitnehmen, wenn ich mein Zuhause verlassen müsste? Mit solchen Fragen beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler verschiedener Jahrgänge Ende September und Anfang Oktober bei den Aktionstagen „Waldschule mit Courage – gegen Ausgrenzung“.
Die Klassen fanden ganz unterschiedliche Zugänge zu den Themen. Sie besuchten soziale Einrichtungen, sprachen mit Gästen und setzten sich in Filmen, Ausstellungen und eigenen Arbeiten mit Diskriminierung auseinander. Eine Stellwand in der Schule zeigt einige ihrer Ergebnisse und persönlichen Gedanken.
Wenn Worte Spuren hinterlassen
Die Klasse 7a beschäftigte sich unter dem Titel „Nadelstiche im Alltag“ mit Alltagsrassismus. In einer Übung stand ein glattes Blatt Papier für einen Menschen. Zu vorgelesenen Situationen wurde es immer dann ein Stück weiter zusammengeknüllt, wenn die Schülerinnen und Schüler etwas als unfair oder verletzend empfanden. Anschließend versuchten sie, das Papier wieder zu glätten. Die Falten blieben.
„Das Papier vergisst nicht und die Menschen auch nicht!“, hielt die Klasse dazu fest. Gemeinsam sammelten die Jugendlichen Ideen, wie sie im Alltag reagieren können: bei verletzenden Sprüchen nicht mitlachen, nachfragen, wie eine Bemerkung gemeint ist, und Betroffenen Unterstützung anbieten. Auch das Weiterleiten rassistischer Memes nahmen sie kritisch in den Blick.
Wie Vorurteile das Leben von Menschen beeinflussen, erfuhr die Klasse 10a bei einem Vortrag von Sarah Pasquali. Sie berichtete von ihren persönlichen Erfahrungen als Angehörige einer Sinti- und Schaustellerfamilie. Dabei ging es auch um Benachteiligungen aufgrund des Aussehens, der Herkunft oder eines Namens. Die Klasse gestaltete dazu das Plakat „Brücken statt Mauern“ mit Möglichkeiten, Ausgrenzung entgegenzutreten.
Andere Perspektiven kennenlernen
Für die Klasse 6b wurde ein Wechsel der Perspektive beim Spielen spürbar. Bei der von der Sozialpädagogik vorbereiteten und begleiteten „CultuRallye“ lernten die Gruppen zunächst ihre jeweiligen Spielregeln kennen. Als einzelne Kinder an einen anderen Tisch wechselten, galten dort plötzlich andere Regeln. Das sorgte für Verwirrung und Frust.
Im anschließenden Gespräch überlegte die Klasse, wie es Menschen geht, die neu in eine Gruppe kommen. Regeln erklären, geduldig bleiben und gemeinsam faire Lösungen finden – diese Erfahrungen ließen sich direkt auf den Schulalltag übertragen. Die Klasse fasste es so zusammen: „Was für uns selbstverständlich ist, kann für andere ganz neu sein.“
Mit Flucht und dem Verlust des vertrauten Alltags beschäftigten sich ebenfalls mehrere Klassen. Die Ausstellung „Fluchtgeschichten“, die der Waldschule von der BBS Haarentor als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurde, verband persönliche Lebensgeschichten mit Informationen über die Herkunftsländer. Die Klasse 9a hielt dazu eigene Fragen und Eindrücke fest.
Die Klasse 7e näherte sich dem Thema mit einer sehr konkreten Aufgabe: Welche sechs Dinge gehören in einen Urlaubskoffer – und welche würde man auf eine Flucht mitnehmen? In ihrem Bericht beschrieben die Schülerinnen und Schüler besonders ihre Betroffenheit darüber, dass auch viele Kinder fliehen müssen und dabei zum Teil ohne ihre Eltern unterwegs sind.
Ausstellung "Fluchtgeschichten"
Menschenrechte und Verantwortung
Was Menschenrechte für das eigene Leben bedeuten, wurde in Workshops mit Amnesty International besprochen und in zahlreichen Arbeiten sichtbar. Die Schülerinnen und Schüler gestalteten Bilder etwa zum Recht auf Bildung, zu Freiheit und Sicherheit oder zur freien Meinungsäußerung. Die Klassen 6c und 6e dokumentierten ihre Beschäftigung mit „Mein Name ist Mensch“. Dabei stand auch die persönliche Frage im Raum: Was bedeutet Menschsein für mich?
Andere Klassen lernten Einrichtungen kennen, die Menschen vor Ort unterstützen. Die Klassen 8c und 10e berichteten von ihren Besuchen bei der Tafel Oldenburg. Sie erfuhren, wie Lebensmittel gesammelt und weitergegeben werden und welche Bedeutung ehrenamtliche Hilfe hat. Die Klasse 8a besuchte das Hatter Buffet und hielt die Antworten auf ihre vorbereiteten Fragen auf einem Plakat fest.
Die Klasse 10b besuchte die Gedenkstätte Wehnen. Anhand einzelner Lebensgeschichten setzte sie sich mit dem Schicksal psychisch erkrankter Menschen während der NS-Zeit auseinander. In ihrem Bericht beschrieb die Klasse den Besuch als interessant, aber auch als traurig und nachdenklich machend. Weitere Arbeiten widmeten sich dem Thema Antisemitismus.
Was wir in unseren Alltag mitnehmen
Auch kreative Gemeinschaftsarbeiten und Filme gehörten zu den Aktionstagen. Die Klasse 5d gestaltete einen „Courage-Regenbogenfisch“ zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Auf bunten Papierhänden hielten Schülerinnen und Schüler fest, welche Stärken sie in ihre Klasse einbringen und wie sie Courage zeigen können.
Filme wie „Green Book“ boten Anlass, über Rassismus und den Abbau von Vorurteilen zu sprechen. Die Klasse 9e verband den Film „The Hate U Give“ mit einem gemeinsamen Buffet, für das alle Gerichte aus unterschiedlichen Ländern mitbrachten.
Die ausgestellten Ergebnisse geben einen Einblick, wie intensiv sich die Klassen mit den Themen beschäftigt haben. Sie enthalten nachdenkliche Fragen und konkrete Vorhaben für das eigene Verhalten. Dazu gehört der Vorsatz aus der Klasse 7a, bei rassistischen Beleidigungen nicht mitzumachen. Genau dort können die Erfahrungen der Aktionstage im Schulalltag weiterwirken.
Wir danken allen beteiligten Einrichtungen sowie den Lehrkräften und dem Team der Schulsozialpädagoginnen für die Vorbereitung und Begleitung. Ein besonderer Dank gilt der BBS Haarentor für die Leihgabe der Ausstellung „Fluchtgeschichten“.
